EingangsbereichMamilla war im späten 19. Jahrhundert zwar ein Stadtteil von Jerusalem, doch außerhalb der Altstadt. Es war damals, genau wie heute, Geschäftsviertel und Treffpunkt von jüdischen, arabischen und christlichen Händlern. Heute ist die Mamilla Avenue eine luxuriöse Einkaufsstrasse mit teuren Geschäften von berühmten westlichen Mode-Labels, Schmuckboutiquen und kostspieligen Uhrenkollektionen, die seit der Eröffnung im Jahr 2007 die rund 300 Meter lange Einkaufsmeile säumen. Wenn man nun vor dem eleganten Montblanc-Laden steht, sieht man ein grosses Eisentor. Durch dieses betritt man das Gelände des Klosters und gelangt in eine andere Welt.

 

Im Konvent leben derzeit fünf Schwestern, welche zusammen mit rund 70 Angestellten etwa 30 geistig oder körperlich Behinderte und ältere, oft leicht behinderte Menschen betreuen. Das Kloster verfügt zudem über eine Kinderkrippe und einen Kindergarten für insgesamt 160 Kinder, welche meist von sehr armen Familien stammen.


RenovationsarbeitenSämtliche Einrichtungen brauchen dringend eine Renovation, der Kindergarten beispielsweise hat ungesicherte Treppenhäuser, keinen Spielplatz an der frischen Luft und auch keine richtigen Lüftungen, so dass es in den Räumlichkeiten zu wenig Sauerstoff hat. Das israelische Ministerium für Wohlfahrt und Soziale Dienste hat den Schwestern eine Frist gesetzt, die Renovationen bis Ende 2016 auszuführen, um den hygienischen und sozialhygienischen Anforderungen Israels gerecht zu werden. Das kulturelle und architektonische Erbe des bestehenden Gebäudes muss erhalten bleiben, daher hat sich auch der israelische Denkmalschutz eingeschaltet.


Das Projekt war aufgrund des Druckes der israelischen Regierung sehr dringend. Die R.O.A.C.O. (Riunione delle Opere di Aiuto alle Chiese Orientali) hat sich des Problems der Schwestern angenommen. Das Projekt wurde durch Schwester Marie-Madeleine Boustany, Provinziale der „Daughters of Charity of St. Vincent de Paul“, lanciert und von S.E. Msgr. William Shomali, Weihbischof des Lateinischen Patriarchats, genehmigt. Anschliessend wurde es durch die R.O.A.C.O. dem Grossmagisterium des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem als Projekt vorgeschlagen und die Schweizerische Statthalterei hat sich kurzfristig bereit erklärt, das Projekt substanziell mitzufinanzieren. Das Geld konnte sofort überwiesen und die Renovationen in Auftrag gegeben werden.


Neue RäumeNach den Renovationen werden die Schwestern über 50 Plätze für Behinderte anbieten können. Der Kindergarten wird acht Schulzimmer umfassen, ferner entstehen mehrere Toiletten, ein Aussen-Spielplatz, verschiedene Büros, eine Küche sowie eine Allzweckhalle. Danach können bis zu 180 Kinder aufgenommen werden. Eine Tagesstätte für Kleinkinder und Säuglinge wird ebenfalls eingerichtet.

 

Anlässlich meines Besuches im Kloster im August 2016 wurde ich zusammen mit Prof. Bart McGettrick, Mitglied der Heiligland Kommission des Grossmagisteriums, von Schwester Simon empfangen. Sie zeigt uns die laufenden Renovationen, welche fristgemäss ausgeführt werden. Die israelische Regierung versuchte in der Vergangenheit immer wieder erfolglos den ganzen Komplex den Schwestern abzukaufen. Die Schwestern arbeiten jedoch durchaus mit den israelischen Behörden zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, damit sie auch von den Sozialleistungen Israels profitieren können.


McGettrick/Kretlow/Schwester SimonDie Behinderten bezahlen ihren Aufenthalt im Hospiz der Schwestern, ebenso entrichten ein Grossteil der Kinder, sofern es in den finanziellen Möglichkeiten der Eltern liegt, ihren Beitrag für den Kindergarten. Dies deckt den Schwestern die laufenden Kosten für Strom, Wasser und vor allem die Personalausgaben.


Oft müssen christliche Institutionen, private Einrichtungen oder andere Institutionen verwaiste oder vernachlässigte Kinder aufnehmen. Schwester Simon hat es bereits mehrere Male erfahren, dass sie ein Kleinkind zu sich holen musste, da sich niemand um das kleine Wesen gekümmert hat. Der Zweck des St. Vincent Konvents war es seit seiner Gründung, sowohl den Pilgern, wie aber auch der lokalen Bevölkerung im Heiligen Land zu dienen, ungeachtet ihrer Religion oder ethnischen Zugehörigkeit.


Damit zeigt sich die Wichtigkeit der Katholischen Kirche im Heiligen Land. Denn die Frage ist nicht primär, was sie tut, die Frage ist vielmehr, warum sie hier ist: die Kirche muss ihre Präsenz im Heiligen Land markieren, und dies geschieht durch ihre vielen Organisationen, sei es im Bildungsbereich, im Krankenpflege-Dienst, in sozialen Einrichtungen, in der pastoralen Aufgabe etc.


Die materielle Hilfe, welche die Schweizerische Statthalterei mit diesem Projekt leistet, ist neben der Spiritualität ein Bekenntnis, welches wir Ritter und Damen mit unserem Ordensversprechen bei der Aufnahme in den Ritterorden abgegeben haben. Schwester Simon dankt im Namen aller Bedürftigen der Schweizerischen Statthalterei von ganzem Herzen.

 

Donata Krethlow-Benziger, September 2016