Dieser Bericht kann auch Anregung geben für Organisatoren zukünftiger Investituren. Jede Investitur hat ihr eigenes Gepräge. Jede Investitur ist Bereitschaft und Kennzeichnung zum Frondienst und zur Unterstützung der Christen im Heiligen Land. Sie ist immer auch eine Bestärkung für die Aufgabe und den Dienst.


Die Tradition der Kirche - nach kaiserlicher, auch orientalischer Art ( Westrom, Konstantinopel, Persien u.a ) - wird weitergeführt durch Einkleidung in den Mantel (früher Toga ) als Zeichen der Männlichkeit, resp. Mitgliedschaft, so wie auch an der Halskette das fünffache Jerusalemkreuz für die fünf Wundmale Christi getragen wird.


Die Investitur 2015 in Disentis war eine feierliche und aufbauende Zeremonie in der Kloster-Basilika in Mustér. Nach 1964, 1991 und 2006 war es hier bereits die vierte Investitur, bei der erfreulicherweise 18 Ritter und eine Dame in den Orden aufgenommen wurden. Schon der Einzug der Ritter, Damen, der geistlichen Mitglieder und der Kandidaten mit rund 200 Personen sowie einem Zug der Schweizer-Garde bewirkte einen erhebenden Eindruck. Die festliche Liturgie, gut vorbereitet in mehreren Sprachen, prägte die Gottesdienste der Vigilfeier, der Investitur mit Pontifikalamt in der Kloster-Basilika und des Sonntagsgottes- dienstes in der Pfarrkirche San Gions.


Das Motto der Komturei Churrätien für den Anlass lautete


Kameradschaft          Bescheidenheit         Glaubensstärkung


Dieses Motto spürte man durch die ganze Investitur, ganz besonders auch bei den persönlichen Begegnungen beim Aperitiv vor dem Galadiner. Höchst erfreulich war es, wie unser oberster Chef und Grossmeister, seine Eminenz Kardinal Edwin Frederik O’Brien, auf dem Sportplatz des Kulturzentrums vor dem Galadiner den Kontakt und die Begrüssung mit uns Schweizern suchte. Spontan und zu seiner Freude konnte ich ihm sagen: It’s so honorable and kind that you came for investiture and for us and not for this and this to Disentis.


Die Sala Fontauna war geschmückt mit der eindrücklichen grossen Kulissenmalerei unseres Confraters Rico de Castelberg: der Kirche des Hl. Grabes in Jerusalem. Das Galadiner wurde bereichert und aufgelockert mit zwei beschwingten und stark applaudierten musikalischen Einlagen der Compagnia Rossini. Diese gute Stimmung benutzte auch unser Statthalter Jean-Pierre de Glutz-Ruchti, welcher der organisierenden Komturei Churrätien (Graubünden und Fürstentum Liechtenstein) mit Präsident Martin Quinter für die perfekte Organisation dankte und gratulierte.


Der guten Tradition folgend zogen am Sonntagmorgen Neo-Ritter und -Damen zum ersten Mal im Ornat (Mantel) an der Spitze der Prozession zum Hochamt in der Ortskirche San Gions in Mustér ein. Weihbischof Martin Gächter, Prior der deutschschweizerischen Sektion, zelebrierte das Pontifikalamt. Er predigte von der göttlichen Liebe mit einem Link zur letzten Bischofs-synode in Rom mit Papst Franziskus. Die gegenseitige Verbundenheit und auch diejenige mit der Pfarrgemeinschaft wurde nach dem Gottesdienst gepflegt und gestärkt beim Aperitiv auf dem Schulhausplatz. Das Konzert des Musikvereins und die Trommelwirbel der Tambouren von Mustér bildeten das gute und friedliche Ende eines grossen Ereignisses.


Auf meine Frage: Was ihnen eine Investitur generell und was ihnen die Investitur in Disentis bedeute, antwortete mir ein bestandener Confrater: „Eine Investitur bedeutet mir sehr viel, weil ich jeweils mit Gleichgesinnten meinen Glauben leben und zeigen kann. Da ich vor 24 Jahren in Disentis in unseren Orden aufgenommen wurde, habe ich zu diesem Ort eine starke Beziehung und kehre besonders gerne nach Disentis zurück. Zudem konnten wir in diesem Jahr eine Investitur der kurzen Wege mit ausgezeichneter Gastfreundschaft erleben.“ Und eine erfahrene Komtur Dame schrieb: „Es war eine wahre Freude in diesem herrlichen Bergdorf in der Klosterkirche bei schönem Wetter die Investitur zu feiern. Vor allem ist es erfreulich so viele Kandidaten im Gebet zur Aufnahme zu begleiten. Auch freue ich mich immer wieder am Abend so viele liebe Freunde zu treffen. Der Sonntagsgottesdienst mit der Pfarrgemeinde war ein herrlicher Ausklang von diesen besinnlichen Tagen.“

 

Aufnahme bei den Rittern


Bisch Du ufgnah bi de Ritter

empfindisch mängs gar nümme bitter.

Vertrausch uf Gott und suechsch din Wäg

und bliibsch mit Geischt und Körper zwäg.

Zeig i dim Läbe vill Humor

und spiel dir au ned öppis vor!

 

Damit de Mitmönsch cha gedeihe

muesch Du bereit sii au z‘ verzeihe.

Macht eine au emal en Fähler,

wartet ned grad de nächschti Quäler.

's git nur der eini Imperativ:

Bliib 's ganze Läbe positiv!


August Keller