Weit mehr als hundert Schweizer Ritter und Damen machten sich am 16. Juni nach Salzburg auf, um die Investitur 2017 zusammen mit den österreichischen Ordensschwestern und -brüdern in der Residenzstadt der Fürsterzbischöfe zu feiern.

 

Die ungewohnte Kombination aus alpenländischer Landschaft und barocker Prachtentfaltung beeindruckte alle Teilnehmer. Dabei hatten die Organisatoren um Hofrat Mag. Reinhold Mayer, Leitender Komtur von Salzburg, die prachtvollsten Orte der Stadt für die Veranstaltung auserkoren: Vom Festbüro in der Erzabtei St. Peter, über die Vigilfeier in der Kollegienkirche, der Investitur und dem Pontifikalamt im Dom und bis schliesslich zum festlichen Abendessen in den Prunksälen der ehemaligen fürsterzbischöflichen Residenz.

 

Kandidatenvorstellung und Vigilfeier

Eine der Spielstätten der Salzburger Festspiele - das Haus für Mozart - bildete den würdigen Rahmen für die Begrüssungszeremonie sowie die Vorstellung der Kandidaten.


S. Em. Edwin Kardinal O’Brien, Kardinalgrossmeister, erinnerte die anwesenden Ritter, Damen und Gäste an die Not der Christen im Heiligen Land und dass die uns im besonderen Masse verbundenen Menschen in diesen Wochen und Monaten unserer Hilfe besonders bedürfen. In seiner Grussbotschaft erinnerte der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. Wilfried Haslauer, dass der heutige freiheitliche und säkularisierte Staat zu seiner eigenen Fundierung und Erhaltung auf einen Grundkonsens über Werte angewiesen ist, welchen er auch mit der besten Verfassung weder selber herstellen noch vollständig garantieren könne. Umso mehr brauche es eine neue und starke Allianz zwischen Kirche und Staat. Viele Menschen in Europa seien sich nur unzureichend bewusst, wie sich die emotionale Verfasstheit eines Staates entwickeln könne, wenn sich dessen Gesellschaft nach und nach ihrer christlichen Grundwerte entledigt.


Die Vorstellung der Kandidatinnen und der Kandidaten moderierten die Statthalter der Statthaltereien Österreich und der Schweiz, S.E. Dr. Andreas Leiner und S.E. Jean-Pierre de Glutz-Ruchti. Die persönlichen Vorstellungen der fast 30 Kandidaten fanden grossen Anklang.


Den Schlussakkord setzte die Bläsergruppe „Ensemble Paris Lodron“ und machte damit die Überleitung zum Buffet, das im Foyer des Festspielhauses und im Karl-Böhm-Saal serviert wurde.

 

0352a Investitur 2017

 

Nach festlichem Einzug in die Kollegienkirche begann um 21.30 Uhr die Vigilfeier. Der Gottesdienst mit eindrucksvoller Predigt unseres Grosspriors, S.E. Bischof em. Pier Giacomo Grampa, stärkte Besinnung und innere Ausrichtung auf bevorstehende Investitur und Pontifikalamt. Die Feier der Vigil, die bis kurz vor Mitternacht hin dauerte, war vielen eine schöne Einladung, die bahnbrechende Innenarchitektur der Kollegienkirche, geschaffen vom grossen Barockmeisters Fischer von Erlach, in stiller Besinnung zu geniessen.

 

Kapitel im Rittersaal der fürstbischöflichen Residenz

In besonders gediegenem Rahmen fand das Festkapitel der Schweizer Statthalterei statt. Ritter und Damen versammelten sich unter dem Vorsitz S.E. Jean-Pierre de Glutz-Ruchti am Samstag, pünktlich um 10 Uhr, im Rittersaal der fürsterzbischöflichen Residenz. Aufmerksam wurde den Berichterstattungen über die Projekte im Heiligen Land sowie den Jahresberichten der Sektionen gelauscht. Die weiteren statutarischen Geschäfte wurden zügig präsentiert und genehmigt.
Zwischendurch wanderten die Blicke zu den prächtigen Stuckaturen und der freskierten Decke, welche die Verherrlichung der Taten Alexanders des Grossen zeigte.


Eine besondere Aufmerksamkeit liess sich die gastgebende Statthalterei Österreichs einfallen, indem ein Streicher-Ensemble, standesgemäss für die Geburtsstadt Mozarts, unser Kapitel festlich bereicherte.

 

Pontifikalamt

Fast 700 Ritter und Damen füllten den Salzburger Dom vollständig aus und bildeten damit - zusammen mit den anwesenden Gästen - eine würdige Kulisse für die Investitur der 30 Kandidatinnen und Kandidaten. Die in fünf Sprachen gehaltene Hl. Messe wurde von S. Em. Edwin Kardinal O‘ Brien zelebriert; S.E. Erzbischof em. Dr. Alois Kothgasser, hielt eine sehr schöne Predigt, die gleichzeitig auf die Aufnahme der 30 Kandidatinnen und Kandidaten zuleitete.


Die Investitur der einzigen Ordensschwester und der neuen Ordensbrüder war eindrücklich und bot gleichzeitig allen Anwesenden die Gelegenheit, ihr persönliches Bekenntnis zum Christsein zu erneuern.

 

1015 Investitur 2017

 
Unter der Leitung von Domkapellmeister Prof. Janos Czifra wurde die Missa Solemnis in C-Dur derart schön gesungen, dass ein Ritter aus Salzburg beim Auszug bekannte, diese Mozart-Messe auch nach über 50 verlebten Jahren in Salzburg noch nie so schön gehört zu haben.

 

Festakt

Für das Galadiner kehrten wir in die prunkvollen Hallen der Residenz zurück. Schon beim Stehempfang im Innenhof konnte man den Alterzbischof von Salzburg in seinem Legatenpurpur unter den Gästen entdecken, für dessen lange Reihe von Amtsvorgängern diese Residenz erbaut worden war. In der Belletage waren dann in einer Flucht aus wahrhaft fürstlichen Sälen, die Tische für uns gedeckt. Die freie Platzwahl ermöglichte es, neue Ordensschwestern und -brüder kennen zu lernen und denjenigen barocken oder klassizistischen Saal auszuwählen, der einem am meisten gefiel. Unter fröhlichem Zuprosten und Stimmengewirr schmeckten die aufgetischten edlen Tropfen schon bald so gut wie alle französischen Weine zusammen.

 

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Abschlussgottesdienst am Sonntag

Bei strahlendem Sonnenschein trafen am Sonntag gegen 9.30 Uhr die noch nicht abgereisten Damen und Ritter im Kreuzgang der Erzabtei St. Peter, ein. Nur schon des prächtigen Anblicks wegen war es ein Geschenk, in diesen normalerweise nicht öffentlich zugänglichen Kreuzgang gehen zu dürfen, eine Oase der Stille, wenn er nicht von einer guten Hundertschaft von Damen und Rittern heimgesucht wird.

 

1799 Investitur 2017

 
Voller Stolz durften sich auch die Neodamen und Neoritter zu ihrem ersten Einzug mit Mantel in die Reihen stellen. Vom Kreuzgang aus gelangte die Prozession direkt in die Stiftskirche um dort dem Gottesdienst unter der Leitung von Erzabt Korbinian Birnbacher, OSB, beizuwohnen, dem es gelang, mit seiner kurzen, aber sehr dichten Homilie dem Gottesdienst viel Würde zu verleihen. Zum Lobe Gottes und zur Freude der am Gottesdienst Teilnehmenden haben auch Solisten, Chor und Orchester der Stiftsmusik St. Peter unter der Leitung von Stiftskapellmeister Peter Peinstingl, der auch die Orgel bespielte, beigetragen, welche die Missa brevis in F, die sogenannte Jugendmesse, von Josef Haydn, erklingen liessen.


Nach dem Gottesdienst waren alle dankbar, im Hof der Erzabtei St. Peter einen Platz am Schatten zu finden und da bei Brotgebäck und Tranksame nochmals zusammenzustehen und die würdige Investitur ausklingen zu lassen. Nach und nach lichteten sich die Reihen und die grosse Schar löste sich auf und in Salzburg konnte wieder der gewohnte Touristenalltag einkehren.


Es bleibt nur noch, den Organisatoren dieser Investitur für ihren grossen Einsatz zu danken; zu danken für eine eindrückliche Investitur, die neue Banden der Freundschaft schmieden und bestehende Banden festigen liess und sicher allen in tiefer Erinnerung bleiben wird.

Benedikt Lüthi, Komturei Zürich
Daniel Wicki, Komturei Waldstätte