Als Historiker und Geschichtslehrer am Gymnasium Kloster Disentis beschäftige ich mich dem Lehrplan gemäss jeweils auf der Unterstufe mit den Kreuzzügen. Ich weise im Unterricht darauf hin, dass die Kreuzzüge eine Reaktion auf die gewaltsame Ausbreitung von muslimischen Seldschuken waren, die auch das byzantinische Reich bedrängten und die heiligen Stätten der Christen in Besitz nahmen. Die einseitige Darstellung in vielen Geschichtsbüchern, dass die Kreuzzüge eine Aggression seitens des Abendlandes waren, muss man relativieren. Das Thema ist brandaktuell. Gerade in heutiger Zeit, in der sich leider IS-Anschläge immer mehr häufen, stellt sich bei den Schülern, aber auch bei mir die brennende Frage, wie man diesem beispiellosen Terror überall auf der Welt begegnen soll.

 

Ehrenwerte Anfrage

Es war für mich eine grosse Ehre, von Martin Quinter, Präsident der Komturei Churrätien, die Anfrage in den Ritterorden zu erhalten. Martin klärte mich über die vielen karitativen Werke auf, welche der Orden für die Christen im Heiligen Land tätigt. Die selbstlose Hilfe der Ritter in aller Welt beeindruckte mich – in einer Zeit der zunehmenden Gewalt - stark.


Spirituelle Vorbereitung im Kloster Disentis

Als Vorbereitung für die Aufnahme in den Orden habe ich mich daher letzten Sommer intensiv mit der Bibel und eben auch mit dem Koran beschäftigt, um Einblicke in die andere Perspektive zu erhalten. Ich wollte mich aber auch spirituell vorbereiten, um Antworten und Denkanstösse auf meine brennenden Fragen zu erhalten. Daher habe ich Pater Bruno, Dekan des Benediktinerklosters Disentis gebeten, mich als Vorbereitung auf den Orden, spirituell zu begleiten, was er sofort ohne Zögern annahm. Als Novizenmeister des Klosters hat er ein immenses Wissen und wir diskutieren oft auch heikle und kontroverse Themen, insbesondere zur Rolle des Islams und zum Christentum. Auch mit Pater Ioannes, der ein sehr breites theologisches Wissen hat, führte ich oft lebhafte und spannende Diskussionen. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den beiden Benediktinerpatres von Disentis herzlich für ihre Zeit und die Begleitung meiner spirituellen Vorbereitung auf den Ritterorden bedanken. Ich erkannte mit der Zeit, dass die heutige spirituelle Aufgabe des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem u.a. in 1 Korinther 13 zu finden ist: «Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die grösste unter ihnen.» Diese Verbundenheit, Liebe und tiefe Freundschaft unter Ordensmitgliedern habe ich anlässlich der Investitur in Salzburg hautnah miterlebt – es war sehr ergreifend und berührend.


Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem – eine grosse Familie

Wir Ritter vom Heiligen Grab sind eine grosse Familie, die sich für den katholischen Glauben und alle Christen, insbesondere natürlich im Heiligen Land gemeinsam einsetzen. Ich durfte in Salzburg einige neue Freunde kennenlernen; prägend waren für mich insbesondere die herzlichen Begegnungen u.a. mit Erzabt Dr. Korbinian Birnbacher OSB von der Erzabtei St. Peter zu Salzburg. Er sagte mir, dass er erst zwei Kilians begegnet sei und es für ihn eine Freude sei, mich im Orden zu wissen, er sei der «Köbi». Wir haben uns bestens unterhalten und unsere Begegnung mit einem Bierchen besiegelt. Auch das Kennenlernen des Mitkandidaten und österreichischen Diplomaten Dr. Gerhard Jandl und seiner geschätzten Gattin Eva aus Wien war für mich und meine Frau Barbara sehr berührend; wir haben gegenseitige Besuche vereinbart und freuen uns bereits jetzt schon auf das nächste Wiedersehen. Humorvoll war die Begegnung mit Dr. Leopold Grünner; jedesmal, wenn wir uns sahen, durften wir herzlich lachen. Wir freuen uns auf gegenseitige, länderübergreifende Komtureibesuche und treffen uns bereits in unseren Sommerferien in Serfaus. Auch die freundlichen Begegnungen mit den geschätzten Schweizer Mitkandidaten blieben mir in bester Erinnerung.


Eindrucksvolle Vigil

Die Feier der Vigil am Freitababend war für mich von tiefgehender Bedeutung. Seit alter Zeit haben die Ritter die Nacht durchwacht, um vor dem morgigen Ritterschlag zu beten. Das Versprechen vor der ganzen Ordensgemeinschaft auf die Bibel abzugeben und mit meiner persönlichen Unterschrift zu bezeugen, war für mich etwas vom Ergreifendsten am ganzen Wochenende. Das erste Mal «Ja» fürs Leben hatte ich genau vor sechs Jahren meiner lieben Frau Barbara gegeben, nun war dieses lebenslange «Ja» als Versprechen für den Orden noch einmal gefragt und ich machte dies vor vielen Zeugen, Consorores und Confratres, sehr gerne. Der Ritterschlag in der Investitur am Samstag durch Kardinalgrossmeister S.Em. Edwin Kardinal O’Brien war dann das sichtbare äussere Zeichen der unsichtbaren inneren Wirklichkeit. Die äusserst sympathische und persönliche Begrüssung im Orden durch den Schweizer Statthalter S. E. Jean-Pierre Marie de Glutz-Ruchti und die Anlegung des Mantels schlossen die würdevolle Zeremonie ab. Als langjähriger Ehrendirigent des Kirchenchors Quarten war es für mich übrigens besonders interessant, während der Investitur-Messe der bestens bekannten Missa Solemnis in C, KV 334, von Wolfgang Amadeus Mozart zu lauschen, die vom Salzburger Domchor gekonnt vorgetragen wurde.


Feierlichkeiten mit unerwartetem Abbruch

Die Feierlichkeiten am Abend in den festlichen Barockräumen der ehemaligen fürsterzbischöflichen Residenz Salzburg musste ich dann leider etwas früher abbrechen, weil sich der Zeckenbiss, den ich am Donnerstag in Disentis erhalten hatte, weiter in Form von Schwindel und erweiterten Rötungen bemerkbar machte. Der geschätzte Confrater Dr. med. Marcel Anrig hat mich am Freitag noch selbstlos und spontan untersucht und mir geraten, bei Erweiterung oder Symptomen einen Arzt aufzusuchen, was ich dann leider tun musste. Mit Antibiotika und Wundpflaster versehen, gingen meine Frau Barbara und ich dann am Sonntag mit meinem geschätzten Paten, Martin Quinter, Präsident der Komturei Churrätien, und seiner lieben Frau Antoinette etwas früher auf den Heimweg.


Bereits jetzt freue ich mich auf viele weitere interessante Begegnungen mit den Ordensgeschwistern auf der ganzen Welt.


Seine Kräfte dem Orden zu schenken, füreinander in der Ordensfamilie da zu sein und die Christen im Heiligen Land zu unterstützen, ist eine wundervolle, lebenslange Aufgabe – deus lo vult!

 

Impressionen der Investitur

 

Kilian Grütter, Komturei Churrätien