Am 18. März 2017 fand die Investitur der beiden Territorialäbte in der Abtei St. Maurice (VS) statt.

 

Die Schweiz ist ein wunderbares Land. Das kulturelle und historische Erbe und die zahlreichen Naturschönheiten vereinen sich in der Schweiz zu einem unvergleichlichen Juwel im Herzen Europas.

Darunter findet sich - dies geht oft vergessen - eine Besonderheit, die unser Land zusätzlich auszeichnet. Die Schweiz hat das Glück zwei der insgesamt zwölf auf der ganzen Welt existierenden Territorialabteien zu beherbergen: Die über tausendjährige Abtei von St. Maurice im Wallis und das Kloster von Einsiedeln, der wohl bedeutendste Marienwallfahrtsort der Schweiz.


Am Samstag 18. März 2017 fand eine ganz besondere Investiturfeier in der Abtei von St. Maurice statt. Mit grosser Freude und als besondere Ehre durfte die Schweizerische Statthalterei die Aufnahme der beiden Territorialäbte, Monsignore Jean Scarcella (Abt von St. Maurice) und Monsignore Urban Federer (Abt des Klosters Einsiedeln) als Grossoffiziere des Ordens in ihrer Mitte willkommen heissen.


Dem Grossprior der Statthalterei, S.E. Monsignore Pier Giacomo Grampa, emeritierter Bischof von Lugano, der der Heilige Messe anlässlich dieser Investitur vorstand und dem Statthalter der Schweiz, S.E. Jean-Pierre de Glutz-Ruchti, war die grosse Freude der beiden die Mitra tragenden Äbte bei der Aufnahme in den Orden des Heiligen Grabes von Jerusalem anzusehen. Indem sie unverzüglich eine Einladung zur Teilnahme an einer der nächsten Pilgerreisen ins Heilige Land ausgesprochen haben, welche durch die verschiedenen Schweizerischen Sektionen durchgeführt werden, haben sie den beiden einen warmherzigen und brüderlichen Empfang bereitet.


An die vierzig Damen und Ritter aus allen drei Sektionen der Statthalterei haben an dieser berührenden Investiturfeier teilgenommen, die in einer besonderen Atmosphäre des feierlichen und tiefen Gebets stattfand: Alle Teilnehmenden waren sich der Bedeutung dieses einmaligen Ereignisses wohl bewusst!


Wir gratulieren unseren beiden neuen Confratres im Orden zu ihrer Investitur und bringen ihnen unsere ordensbrüderliche Hochachtung entgegen.

Exkurs: die Territorialabteien

„Eine Gebietsprälatur bzw. eine Gebietsabtei ist ein bestimmter Teil des Gottesvolkes, und zwar ein gebietsmäßig abgegrenzter, dessen Betreuung wegen besonderer Umstände einem Prälaten bzw. einem Abt übertragen wird, der sie nach Art eines Diözesanbischofs als ihr eigener Hirte zu leiten hat.“ (Kanon 370, CIC 1983)


Im Verhältnis zu den Bistümern handelt es sich somit um eine besondere Form der Kirchenorganisation. Sie wird bestimmt durch ihr Gebiet und umfasst eine Abtei (oder ein Kloster) nach benediktinischem Muster. Historisch gesehen waren es die grossen, bedeutenden Klöster, die ihren Einfluss weit über die Klostermauern ausdehnten, indem sie Felder und Güter wie auch Dörfer umfassten, in welchen die Menschen wohnten, welche im und für das Kloster tätig waren. Diese gesamten Gebiete und ihre Bewohner standen ausserhalb der Zuständigkeit des Bischofs und waren alleine abhängig vom jeweiligen Kloster und seinem Abt. Papst Paul VI. verfügte in seiner motu proprio Catholica Ecclesia vom 23. Oktober 1976 das Verbot der künftigen Errichtung weitere Territorialabteien, ausserordentliche Gründe vorbehalten. Zudem bestimmte er neue Kriterien und Regeln, nach welchen diese antiken kirchlichen Strukturen erneuert werden sollten.

 

Abteikirche von St. Maurice

 

Von den bis zum heutigen Tag existierenden Territorialabteien befinden sich sechs in Italien (die Abteien von Montecassino, Monte Oliveto Maggiore, Santissima Trinità de Cava de' Tirreni, Santa Maria di Grottaferrata, Montevergine und Subiaco) sowie fünf in weiteren Ländern (Abtei Wettingen-Mehrerau in Österreich, Abtei Pannonhalma in Ungarn, Abtei Tokwon in Südkorea sowie das Kloster Einsiedeln und die Abtei St. Maurice in der Schweiz).

 

Paola Carla Moroni Stampa, März 2017