Seinen Ursprung verdankt der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem dem seit 1335 belegten Brauchtum mittelalterlicher Ritter, den Ritterschlag am Heiligen Grab in Jerusalem zu empfangen. Dies ist im Zusammenhang mit der grossen Bedeutung der Pilgerfahrt nach Jerusalem im europäischen Mittelalter zu sehen.

 

Christen pilgerten seit der ausgehenden Antike zu den heiligen Stätten. Nach Kaiser Konstantins Toleranzedikt im Jahre 313 zum Schutze der Christen entwickelte sich die christliche Wallfahrt rasant. Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Frankreich nach Jerusalem. Die Freilegung des Hl. Grabes in Jerusalem und die anschliessende Einweihung der Grabeskirche im Jahre 335 sowie die Errichtung der Geburtskirche in Bethlehem durch die Kaiserin Helena und ihren Sohn Kaiser Konstantin lösten in der gesamten Christenheit eine ungestüme Begeisterung aus. Man pilgerte ins Heilige Land, um an jene Orte zu gelangen, an denen Christus geweilt hatte. Damit ist die Fahrt nach Jerusalem zum Inbegriff christlicher Wallfahrt geworden.

 

Weder schlechte und gefährliche Strassen, noch die zahlreichen Räuberbanden hinderten die unzähligen Pilger im Mittelalter an der Suche nach dem Seelenheil. Ihre Ziele waren aber ganz unterschiedlich: beispielsweise wollte man Busse tun, um Heil oder Heilung bitten, sich von seinen Sünden lossagen, oder einfach um Gott zu danken. Die Begriffe Wallfahrt oder Pilgerfahrt waren aber auch Synonym für sehr viel weniger edle Beweggründe: wie etwa Abenteuerlust, auch Bestrafung für ein Verbrechen oder gar Ausschluss aus der Gesellschaft, und schliesslich auch Fluchtmöglichkeit vor Hunger und Armut.