Spiritualität und Gebet

Grusswort des Grosspriors

Warum helfen wir den Christen des Heiligen Landes? Natürlich ist es immer gut, Menschen zu helfen, aber warum konzentrieren wir uns gerade auf diese Menschen?

Wir tun dies, weil Gott diese Erde auserwählt hat, um sein Heilswerk zu entwickeln. Vor allem: Es ist das Land Christi, das Land, wo er geboren wurde, wo er lebte, wo er starb, wo er von den Toten auferstanden ist, wo er seine Gemeinschaft um sich versammelt hat. All diese Motive berühren uns, wenn sie in uns verwurzelt sind, das heißt, wenn die Begegnung mit Christus unser Leben verändert. Wenn diese Begegnung unser Leben wirklich verändert, wollen wir uns ihm zuwenden im persönlichen Gebet, wie er die Psalmen beten, ihn in der Eucharistie empfangen ...

Ohne diese lebendige Beziehung, welche die Grundlage unseres Lebens ist, hören wir schnell auf einzusehen, warum wir Christen in einem Land helfen sollen, das im Glauben als heilig anerkannt wird. Das Heilige Land ist das Land des Erlösers, den wir lieben und mit dem wir stets in Beziehung sein wollen!

+ Charles Morerod OP, Grossprior

Mgr Charles Morerod OP, Grossprior

Predigt von Bischof Peter Bürcher, Kathedrale Chur (GR), Advents-Anlass 2019 der Komturei Churrätien

"Möge der Apostel Andreas, dessen Fest wir heute feiern, für Sie alle ein Vorbild für die Nachfolge Christi und ein mutiges evangelisches Zeugnis sein! »

Mit diesen Worten von Papst Franziskus bei einem Andreasfest begrüsse ich Sie alle heute ganz herzlich hier in unserer Kathedrale! Das heutige Pontifikalamt gehört erfreulicherweise zum diesjährigen « Advent-Treffen » der Komturei Churrätien des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Wer ist eigentlich der Hl. Andreas den wir heute mit der ganzen Kirche feiern dürfen? Das heutige Evangelium sagt uns: « Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder: Petrus und Andreas. Er sagte zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen » (Vgl. Mt 4, 18-19). Ja, es freut mich, heute vor Ihnen, den sehr geehrten Damen und Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem, sagen zu können, dass die Brüder Andreas und Petrus Fischer am See von Tiberias waren und beide aus Bethsaida in Galiläa stammten. Andreas war zuerst Jünger Johannes‘ des Täufers, trat dann, als er das Zeugnis des Täufers über Jesus, „das Lamm Gottes“, hörte, in dessen Gefolgschaft (Joh 1,35-40), und er gehörte zur Gruppe der Zwölf. Er kam, um Petrus zu sagen, dass er den Messias gefunden hatte, und führte seinen Bruder zu Christus. Andreas trat bei der Speisung der Fünftausend hervor (Joh 6,8-9), und an ihn wandten sich die Griechen, die nach dem Einzug in Jerusalem mit Jesus sprechen wollten (Joh 12,23). Er ist der Schutzheilige der Kirche von Konstantinopel, die seine Reliquien seit dem 4. Jahrhundert aufbewahrt hat. Er litt in Patras in Achaia den Martertod am Kreuz, in der Nachfolge des Gekreuzigten. Im 15. Jahrhundert wurde der Römischen Kirche eine Reliquie anvertraut, die in der Kirche Sant'Andrea della Valle aufbewahrt wurde, bis Papst Paul VI. beschloss, sie der Kirche von Konstantinopel zu übergeben, als Zeichen der ökumenischen Brüderlichkeit, im Jahr 1966.

See Genezareth

Meine Lieben, da stehen wir sicher als Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit dem Hl. Apostel Andreas in sehr enger Verbindung. Ist er nicht wie Jesus, Maria und Josef Galiläer, ein Bewohner des Heiligen Landes? Ich persönlich verehre ihn gerne als den Bruder meines Namenspatrons sowie als den Protoklitos, den Erstberufenen. Damit möchte ich heute hier nur zwei wichtige Elemente beleuchten: die Liebe und das Zeugnis.

Die Liebe, die Caritas, ist eine der drei Standbeine, auf denen der Ritterorden ruht. Von der finanziellen Seite her gesehen, unterstützen mit Millionenbeträgen rund 30.000 Katholiken in mehr als 30 Ländern karitative Einrichtungen der Kirche in Israel, Palästina und Jordanien. Darauf ist der Hl. Andreas sicher auch stolz! Er ist sicher auch froh für sein Land! « Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische, sagte er; doch was ist das für so viele? » Und die Brotvermehrung geschah! Mutatis mutandis, kann das auch heute noch geschehen, wenn wir uns glaubwürdig, ritterlich und demütig in die Nächstenliebe investieren. Neben dieser materiellen -ist die besonders heute von den Frauen liebevoll bezeugte spirituelle Dimension von sehr grosser Wichtigkeit. Meine Lieben, hat da die Schweiz nicht ein leuchtendes Beispiel gegeben, indem die erste Frau in Europa hier als Statthalterin des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in ihr Amt eingesetzt wurde? «Obwohl wir eine katholische Institution sind, sagte unsere Statthalterin, können Frauen bei uns Kaderpositionen übernehmen!». Und so ist es, und so sollte es in ähnlichen Bereichen noch mehr geschehen, wo es möglich ist! Ja, Lieben ist Dienen! Das unterstrich Papst Franziskus indem er über die Frauen sagte: «Der Mut der Frau. Die mutigen Frauen, die in der Kirche sind: Sie sind wie die Madonna. Diese Frauen, die die Familie weiterführen, diese Frauen, die die Erziehung ihrer Kinder durchführen, die so vielen Widrigkeiten und Schmerzen ausgesetzt sind, die die Kranken behandeln... Mutig: sie stehen auf und dienen, sie dienen. Der Dienst ist ein christliches Zeichen… Dienst in Freude, das ist die Haltung, die ich heute betonen möchte. Es gibt Freude und auch Dienst! ». Der Hl. Andreas hat gedient und bis zum Tod am Kreuz geliebt!

Und da sind wir beim zweiten Element angekommen: das Zeugnis. Heute sind unsere Mitchristen im Heiligen Land, besonders auf den Spuren des Hl. Andreas, herausgefordert, weil sie eine sehr kleine Minorität sind, von Jesus Christus, der am Holz des Kreuzes gestorben und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist, ein mutiges Zeugnis zu geben. Meiner Erfahrung nach kann ich sagen, dass viele unserer Mitchristen im Heiligen Land ein sehr mutiges und dem griechischen Adjektiv « andreios » entsprechend, ein in ihrem schweren Alltag mannhaftes Zeugnis geben. Wir alle sind heute ihre Mitchristen! Wir haben alle als Kinder Gottes und als Glieder der Kirche ohne falsche Weltanpassung alle von unserer Taufe Zeugnis zu geben. Was Paul VI. in seinem 1975 veröffentlichten Apostolischen Schreiben „Evangelii nuntiandi“ sagt ist immer noch von grosser Aktualität: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Lehrer, und wenn er auf Lehrer hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“

Meine lieben Mitschwestern und Mitbrüdern vom Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, ich bin wie Sie mit der Situation im Heiligen Land recht gut vertraut und dankbar für jede Initiative, die Not lindert und das christliche Erbe im Heiligen Land hochhält. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass die verschiedenen Religionen und Kulturen dort immer mutiger aufeinander zugehen und lernen, nach Lösungen zu suchen, die das Miteinander in der Liebe und im christlichen Zeugnis fördern. Für die vielfältigen Tätigkeiten des Ordens spreche ich Ihnen und allen ein ganz herzliches Vergelt’s Gott aus. Möge das Engagement aller stets neu gesegnet bleiben und dem Frieden unter den Menschen im Heiligen Land dienen! Meine Lieben, der Hl. Andreas helfe uns allen, besonders in dieser kommenden Adventszeit, zu lieben und Zeugnis zu geben, hier und im Heiligen Land, das uns allen sehr am Herzen liegt!

Amen

Predigt von Pfarrer Ruedi Heim, Wallfahrtskirche Heiligkreuz (LU), Sommeranlass 2019 der Komturei Waldstätte

In jener Zeit sprach Jesus:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die aussen weiss angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung.

So erscheint auch ihr von aussen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt dabei:

Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden.

Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid. Macht nur das Mass eurer Väter voll!

Mt 23, 27-32

Jüdischer Friedhof südlich des Ölberges, mit der Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg und den Kuppeln der Grabeskirche im Hintergrund, Jerusalem

Wenn von Gräbern im Evangelium die Rede ist, dann geht es gewöhnlich um jenes Grab in Jerusalem, welches wir in unserem Namen tragen und wofür wir versprochen haben - und immer wieder versprechen - einzustehen.

Wenn im Evangelium heute Pharisäer und Schriftgelehrte mit Gräbern verglichen werden, dann können wir das leicht einer bestimmten Menschengruppe zu einer bestimmten Zeit zuschieben und uns selber davon ausnehmen. Vergleiche aber fordern auch auf, genauer hinschauen.

Der Campo Santo Teutonico im Vatican, der grosse Campo Verano bei San Lorenzo, Katakomben um Rom herum, der Zentralfriedhof in Wien, Friedental in Luzern, Bremgartenfriedhof in Bern, jeder Dorffriedhof: Friedhöfe haben einen doppelten Charakter, sie ziehen Menschen an!

Friedhöfe und Gräber sagen viel über die Menschen eines Landes, einer Stadt aus. Der Umgang mit dem Tod verrät viel über das Leben der Menschen dort. Friedhöfe werden besucht, weil man sich dort den Toten am nächsten weiss; sie sind ein Symbol des Vergangenen und ein Sichtbarsein des Gewesenen. Menschen gehen dorthin, um ihren Liebsten, den Menschen denen sie verbunden sind, nahe zu sein. Die Toten erinnern uns daran, was sie waren und was wir sein werden – ausnahmslos alle; jede und jeder von uns.

Aber Friedhöfe und Gräber sind mehr: Sie sind auch ein Zeichen des Lebens. Zeichen unserer Hoffnung und Zukunft. Wenn es nur bei den Gräbern bleiben würde, wenn nur das Vergangene bleiben würde, dann wären wir noch schlechter dran als die Kritisierten im heutigen Evangelium. Dann wären wir noch nicht mal weiss getüncht.

Kreuz und Gräber erhalten aber erst dann Sinn und Bedeutung, wenn wir sie im Blick auf das Erhoffte, auf das, was wir glauben, lesen und sehen. Hier auf Heiligkreuz im Entlebuch wird ein Kreuzsplitter verehrt. Das Hl. Grab in Jerusalem ist das Ziel von Pilgern seit der Kaiserin Helena. Beiden Orten ist gemeinsam, dass sie ein Zeichen des Todes in den Mittelpunkt stellen, es aber mit Aussagen über das Leben füllen. Beide stehen für das Ende, für den Abschluss, tragen in sich aber die Botschaft vom Neuen, von der Zukunft.

Damit sind wir bei uns heute. Wenn wir Ritter und Damen vom Heiligen Grab sind, wenn wir Wallfahrende nach Heiligkreuz sind, dann können wir dies nur sein, wenn wir von der Botschaft des Lebens, der Hoffnung und der Zukunft erfüllt sind.

Wenn wir nicht Gräbern gleichen wollen, dann muss das Leben bzw. die Botschaft vom Leben, die Botschaft von der Zukunft zentral sein. Dann muss diese Botschaft im Leben und durch das Leben von uns Christinnen und Christen erfahrbar werden.

Wir hüten kein Museum und wir leben als Christinnen und Christen nicht in der Vergangenheit. Alle Vergleiche oder Anspielungen, dass es früher besser oder katholischer gewesen sei, sind nichts anderes als ein Grab der Vergangenheit, statt ein Symbol der Zukunft.

Wenn wir das Jerusalemkreuz tragen, wenn wir immer wieder das Zeichen des Kreuzes über uns schlagen, dann tun wir dies, um uns des Lebens und der Hoffnung auf die Zukunft zu versichern.

Nicht die Vergangenheit sondern die Zukunft macht uns aus. So sehr wir aus den Wurzeln der Vergangenheit leben, sie ist nicht der Inhalt des Glaubens. Kern ist die Auferstehung, die Zukunft und das Leben. Dafür haben wir einzutreten.

Der ganze Schein nützt nichts, wenn das Sein dahinter nur Knochen, Schmutz und Verwesung sind, wie es im Evangelium heisst.

«Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani» - diesen Namen zu tragen ist eine Verpflichtung für die Zukunft. Diese mit Leben zu füllen ist eine tägliche Arbeit und uns allen aufgetragen.

Wallfahren nach Heiligkreuz, die Grabandacht in Beromünster, eine Pilgerreise nach Jerusalem – dies ist wichtig, weil wir uns an diesen Stätten in Erinnerung rufen können, dass wir nicht in der Vergangenheit leben, sondern aus ihr heraus. Dass wir nicht die Zukunft träumen, sondern sie feiern, wenn wir zur Eucharistie, der Feier von Tod und Auferstehung Jesu zusammen kommen. Das ist der Kern unseres Glaubens.

«Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist.» So hat es der heilige Johannes XXIII. ausgedrückt.

Fangen wir immer wieder neu damit an – jede und jeder im eigenen Leben. Leben wir aus der Vergangenheit auf eine Zukunft in Hoffnung hin.

Amen.

Gebet zu unserer Lieben Frau, Königin des Heiligen Landes

Unsere Liebe Frau von Palästina, Ikone, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Unsere himmlische Mutter,
Tochter und Königin des Heiligen Landes,
wir bitten um deine mächtige Fürsprache.
Möge ein reicher Gnadenregen auf dein Volk herabkommen,
alle verhärteten Herzen besänftigen und Gerechtigkeit und Frieden ins Heilige Land bringen.
Möge Jerusalem wie ein Leuchtturm der Einheit unter den Christen strahlen, die das Privileg haben,
in der Nähe der Heiligen Stätte zu leben,
und die durch das Leben, die Passion, den Tod und die Auferstehung Jesu geheiligt wurden.
Möge diese Heilige Stadt ein Hafen der Freundschaft und der Eintracht
zwischen Juden, Christen und Muslimen sein!
Mögen Intoleranz und Verdacht verschwinden,
möge die Liebe die Angst vertreiben.
Unsere himmlische Mutter,
schau mit Erbarmen auf die Einwohner
dieses deines Landes,
das seit vielen Generationen
unter Kontrasten und Konflikten leidet.
Mögen all jene, die nicht an den einen Gott glauben,
von Deiner Gnade berührt werden
und die Fülle des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe erlangen.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Amen.

Unsere Liebe Frau,
Tochter und Königin des Heiligen Landes,
bitte für uns.

Gebet OESSH

Seitenaltar in der Grabeskirche, Jerusalem

Herr,
durch deine fünf Wunden,
die wir auf unseren Insignien tragen,
bitten wir Dich:

Gib uns die Kraft,
alle Menschen zu lieben,
die Dein Vater erschaffen hat,
und unsere Feinde
mehr als alle Anderen.

Befreie unseren Geist und unser Herz
von Sünde, von Voreingenommenheit,
von Egoismus und von Feigheit,
damit wir Deines Opfers würdig sind.

Sende Deinen Geist auf uns
Ritter und Damen
vom Heiligen Grab herab,
damit er uns zu aufrichtigen
und überzeugten Botschaftern
des Friedens und der Liebe
unter unseren Geschwistern macht
und insbesondere unter denen,
die meinen, nicht an Dich zu glauben.

Gib uns Glauben,
um allen Schmerzen des Alltags
die Stirn zu bieten,
und um würdig zu sein,
eines Tages demütig
und ohne Angst
vor Dir zu erscheinen.

Amen.

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