Spiritualität und Gebet

Grusswort des Grosspriors

Warum helfen wir den Christen des Heiligen Landes? Natürlich ist es immer gut, Menschen zu helfen, aber warum konzentrieren wir uns gerade auf diese Menschen?

Wir tun dies, weil Gott diese Erde auserwählt hat, um sein Heilswerk zu entwickeln. Vor allem: Es ist das Land Christi, das Land, wo er geboren wurde, wo er lebte, wo er starb, wo er von den Toten auferstanden ist, wo er seine Gemeinschaft um sich versammelt hat. All diese Motive berühren uns, wenn sie in uns verwurzelt sind, das heißt, wenn die Begegnung mit Christus unser Leben verändert. Wenn diese Begegnung unser Leben wirklich verändert, wollen wir uns ihm zuwenden im persönlichen Gebet, wie er die Psalmen beten, ihn in der Eucharistie empfangen ...

Ohne diese lebendige Beziehung, welche die Grundlage unseres Lebens ist, hören wir schnell auf einzusehen, warum wir Christen in einem Land helfen sollen, das im Glauben als heilig anerkannt wird. Das Heilige Land ist das Land des Erlösers, den wir lieben und mit dem wir stets in Beziehung sein wollen!

+ Charles Morerod OP, Grossprior

Mgr Charles Morerod OP, Grossprior

Predigt von Pfarrer Ruedi Heim, Wallfahrtskirche Heiligkreuz (LU), Sommeranlass 2019 der Komturei Waldstätte

In jener Zeit sprach Jesus:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die aussen weiss angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung.

So erscheint auch ihr von aussen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt dabei:

Wenn wir in den Tagen unserer Väter gelebt hätten, wären wir nicht wie sie am Tod der Propheten schuldig geworden.

Damit bestätigt ihr selbst, dass ihr die Söhne der Prophetenmörder seid. Macht nur das Mass eurer Väter voll!

Mt 23, 27-32

Jüdischer Friedhof südlich des Ölberges, mit der Kuppel des Felsendoms auf dem Tempelberg und den Kuppeln der Grabeskirche im Hintergrund, Jerusalem

Wenn von Gräbern im Evangelium die Rede ist, dann geht es gewöhnlich um jenes Grab in Jerusalem, welches wir in unserem Namen tragen und wofür wir versprochen haben - und immer wieder versprechen - einzustehen.

Wenn im Evangelium heute Pharisäer und Schriftgelehrte mit Gräbern verglichen werden, dann können wir das leicht einer bestimmten Menschengruppe zu einer bestimmten Zeit zuschieben und uns selber davon ausnehmen. Vergleiche aber fordern auch auf, genauer hinschauen.

Der Campo Santo Teutonico im Vatican, der grosse Campo Verano bei San Lorenzo, Katakomben um Rom herum, der Zentralfriedhof in Wien, Friedental in Luzern, Bremgartenfriedhof in Bern, jeder Dorffriedhof: Friedhöfe haben einen doppelten Charakter, sie ziehen Menschen an!

Friedhöfe und Gräber sagen viel über die Menschen eines Landes, einer Stadt aus. Der Umgang mit dem Tod verrät viel über das Leben der Menschen dort. Friedhöfe werden besucht, weil man sich dort den Toten am nächsten weiss; sie sind ein Symbol des Vergangenen und ein Sichtbarsein des Gewesenen. Menschen gehen dorthin, um ihren Liebsten, den Menschen denen sie verbunden sind, nahe zu sein. Die Toten erinnern uns daran, was sie waren und was wir sein werden – ausnahmslos alle; jede und jeder von uns.

Aber Friedhöfe und Gräber sind mehr: Sie sind auch ein Zeichen des Lebens. Zeichen unserer Hoffnung und Zukunft. Wenn es nur bei den Gräbern bleiben würde, wenn nur das Vergangene bleiben würde, dann wären wir noch schlechter dran als die Kritisierten im heutigen Evangelium. Dann wären wir noch nicht mal weiss getüncht.

Kreuz und Gräber erhalten aber erst dann Sinn und Bedeutung, wenn wir sie im Blick auf das Erhoffte, auf das, was wir glauben, lesen und sehen. Hier auf Heiligkreuz im Entlebuch wird ein Kreuzsplitter verehrt. Das Hl. Grab in Jerusalem ist das Ziel von Pilgern seit der Kaiserin Helena. Beiden Orten ist gemeinsam, dass sie ein Zeichen des Todes in den Mittelpunkt stellen, es aber mit Aussagen über das Leben füllen. Beide stehen für das Ende, für den Abschluss, tragen in sich aber die Botschaft vom Neuen, von der Zukunft.

Damit sind wir bei uns heute. Wenn wir Ritter und Damen vom Heiligen Grab sind, wenn wir Wallfahrende nach Heiligkreuz sind, dann können wir dies nur sein, wenn wir von der Botschaft des Lebens, der Hoffnung und der Zukunft erfüllt sind.

Wenn wir nicht Gräbern gleichen wollen, dann muss das Leben bzw. die Botschaft vom Leben, die Botschaft von der Zukunft zentral sein. Dann muss diese Botschaft im Leben und durch das Leben von uns Christinnen und Christen erfahrbar werden.

Wir hüten kein Museum und wir leben als Christinnen und Christen nicht in der Vergangenheit. Alle Vergleiche oder Anspielungen, dass es früher besser oder katholischer gewesen sei, sind nichts anderes als ein Grab der Vergangenheit, statt ein Symbol der Zukunft.

Wenn wir das Jerusalemkreuz tragen, wenn wir immer wieder das Zeichen des Kreuzes über uns schlagen, dann tun wir dies, um uns des Lebens und der Hoffnung auf die Zukunft zu versichern.

Nicht die Vergangenheit sondern die Zukunft macht uns aus. So sehr wir aus den Wurzeln der Vergangenheit leben, sie ist nicht der Inhalt des Glaubens. Kern ist die Auferstehung, die Zukunft und das Leben. Dafür haben wir einzutreten.

Der ganze Schein nützt nichts, wenn das Sein dahinter nur Knochen, Schmutz und Verwesung sind, wie es im Evangelium heisst.

«Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani» - diesen Namen zu tragen ist eine Verpflichtung für die Zukunft. Diese mit Leben zu füllen ist eine tägliche Arbeit und uns allen aufgetragen.

Wallfahren nach Heiligkreuz, die Grabandacht in Beromünster, eine Pilgerreise nach Jerusalem – dies ist wichtig, weil wir uns an diesen Stätten in Erinnerung rufen können, dass wir nicht in der Vergangenheit leben, sondern aus ihr heraus. Dass wir nicht die Zukunft träumen, sondern sie feiern, wenn wir zur Eucharistie, der Feier von Tod und Auferstehung Jesu zusammen kommen. Das ist der Kern unseres Glaubens.

«Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist.» So hat es der heilige Johannes XXIII. ausgedrückt.

Fangen wir immer wieder neu damit an – jede und jeder im eigenen Leben. Leben wir aus der Vergangenheit auf eine Zukunft in Hoffnung hin.

Amen.

Gebet zu unserer Lieben Frau, Königin des Heiligen Landes

Unsere Liebe Frau von Palästina, Ikone, Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Unsere himmlische Mutter,
Tochter und Königin des Heiligen Landes,
wir bitten um deine mächtige Fürsprache.
Möge ein reicher Gnadenregen auf dein Volk herabkommen,
alle verhärteten Herzen besänftigen und Gerechtigkeit und Frieden ins Heilige Land bringen.
Möge Jerusalem wie ein Leuchtturm der Einheit unter den Christen strahlen, die das Privileg haben,
in der Nähe der Heiligen Stätte zu leben,
und die durch das Leben, die Passion, den Tod und die Auferstehung Jesu geheiligt wurden.
Möge diese Heilige Stadt ein Hafen der Freundschaft und der Eintracht
zwischen Juden, Christen und Muslimen sein!
Mögen Intoleranz und Verdacht verschwinden,
möge die Liebe die Angst vertreiben.
Unsere himmlische Mutter,
schau mit Erbarmen auf die Einwohner
dieses deines Landes,
das seit vielen Generationen
unter Kontrasten und Konflikten leidet.
Mögen all jene, die nicht an den einen Gott glauben,
von Deiner Gnade berührt werden
und die Fülle des Glaubens,
der Hoffnung und der Liebe erlangen.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Amen.

Unsere Liebe Frau,
Tochter und Königin des Heiligen Landes,
bitte für uns.

Gebet OESSH

Seitenaltar in der Grabeskirche, Jerusalem

Herr,
durch deine fünf Wunden,
die wir auf unseren Insignien tragen,
bitten wir Dich:

Gib uns die Kraft,
alle Menschen zu lieben,
die Dein Vater erschaffen hat,
und unsere Feinde
mehr als alle Anderen.

Befreie unseren Geist und unser Herz
von Sünde, von Voreingenommenheit,
von Egoismus und von Feigheit,
damit wir Deines Opfers würdig sind.

Sende Deinen Geist auf uns
Ritter und Damen
vom Heiligen Grab herab,
damit er uns zu aufrichtigen
und überzeugten Botschaftern
des Friedens und der Liebe
unter unseren Geschwistern macht
und insbesondere unter denen,
die meinen, nicht an Dich zu glauben.

Gib uns Glauben,
um allen Schmerzen des Alltags
die Stirn zu bieten,
und um würdig zu sein,
eines Tages demütig
und ohne Angst
vor Dir zu erscheinen.

Amen.

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